Das erste Mal eine lange Reise planen

Photo by Vincent Rivaud from Pexels

Hattest du schon einmal das Gefühl, dass du einfach mal Weg musst? Ich hatte genau dieses Gefühl Mitte 2016. Allgemeine Unzufriedenheit, nicht der passende Job und das Gefühl nicht mehr in dieses „deutsche Denken“ zu passen waren meine Gründe mich so zu fühlen. Raus aus dem Alltag, neue Dinge sehen, neue Kulturen erleben und Möglichkeiten zu finden ganz neue Sachen auszuprobieren, lagen von dort an in meinem Fokus. Also suchte ich eine Lösung für mein Problem. So weitermachen wie bisher wollte ich einfach nicht mehr. Für mich war die Lösung simple: Ich musste raus aus Deutschland. Im Handumdrehen fand ich mich vor dem Computer wieder und tippte in Google ein: „Orte die so weit weg von Deutschland sind wie möglich.“ Meine Recherchen ergaben neben der Antarktis auch USA, Canada und Australien. Die Antarktis erschien mir doch etwas extrem, zudem auch zu kalt; selbst im Sommer. In den USA konnte man entweder die Schule besuchen oder als Au-pair arbeiten. Das war mir noch nicht genug. Ich wollte mehr Freiheit. Canada bot, wie Australien auch, an ein Work and Travel Jahr zu machen. Selbst zu entscheiden wann ich Arbeite oder Reise war sehr interessant. Zuerst wollte ich nach Canada reisen, allerdings ist dort das Visum sehr schwierig zu erhalten. Der Prozess um ein Visum zu bekommen, empfand ich als sehr kompliziert. Erst bewirbt man sich auf das Visum. Anschließend findet eine Art Losung statt, da die Regierung immer nur eine bestimmte Anzahl an Visa den verschiedenen Ländern zur Verfügung stellt. Warten war ja nicht mein Ziel, somit blieb mir Australien als letzte Option. Für Australien war es um einiges einfacher ein Visum zu erhalten. Ich überlegte einige Zeit ob es wirklich eine gute Idee war, für ein Jahr mein Zuhause zu verlassen, doch mein Entschluss war gefasst. Ich legte mich darauf fest, im Januar 2017 zu fliegen.

Da mein damaliger Arbeitsvertrag auf ein Jahr befristet war, empfand ich es als Sinnvoll diesen auslaufen zu lassen. Somit musste ich nicht kündigen und würde wieder Arbeitslosengeld bekommen, sobald ich wieder nach Deutschlande zurückkehre. Je mehr ich mich mit dem Thema befasste desto mehr stieg in mir die Vorfreude. Dass ich meine Familie und Freunde in meine Pläne einweihen musste, blendete ich erstmal komplett aus. Zu jedem nur denkbaren Zeitpunkt schaute ich mir Bilder von Australien an und las viele Blogs. Das Kribbeln in meinem Bauch wurde immer größer, somit wusste ich, dass meine Entscheidung richtig war. Langsam wurde es Zeit, meine Eltern in meine Pläne einzuweihen. Leider lief das nicht so toll wie ich mir das ausmalte. Im Alter von 19 den Job kündigen, ein Jahr lang ans andere Ende der Welt fliegen, dort Arbeiten, Leben und Reisen war wohl nicht unbedingt die Traumvorstellung von Eltern. Nun war es an der Zeit das Gespräch zu suchen. Ich war so aufgeregt, da ich nicht wusste wie meine Eltern reagieren würden. Meine Mama bügelte gerade und mein Papa arbeitete im Garten als ich beide zum Gespräch bat. Ich erzählte ihnen vom großen Plan. Meine Mama freute sich für mich. Sie empfand es als tolle Chance, meinen Traum leben zu können und dabei noch mein Englisch zu verbessern – soweit so gut. Jedoch war mein Papa gar nicht begeistert. Er argumentierte mit Sätzen wie: „Du hast so einen sicheren und gutbezahlten Job“, „Willst du das Geld nicht für später weglegen.“ und „Was ist eigentlich mit deinem Freund?“. Um ehrlich zu sein, hatte ich anfangs die gleichen Gedanken, aber für mich war es nicht logisch mein Geld für später zu sparen. Ich wollte nicht bis später warten um meine Träume zu erfüllen, mal im Ernst: Wann ist denn dieses „später“? Einen Job würde ich auch nach Australien finden, vielleicht sogar etwas Besseres, da ich ja viel besser Englisch sprechen würde. Zugegeben, bei dem letzten Punkt hatte er gar nicht so unrecht. Dieses Gespräch lag immerhin noch vor mir. Dazu später aber mehr.

Ich legte mich auf ein halbes Jahr Planungszeit fest. In dieser Zeit versuchte ich meine Eltern so gut es ging in meine Vorbereitungen miteinzubeziehen. Mein Ziel war es, sie so gut wie möglich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich bald ein Jahr weg sein werde. Ich wollte ihnen zu verstehen geben, dass es nicht so Erschreckend ist wie es sich vielleicht anhört. Leider war mein Papa zu Anfang gar nicht gut auf das Thema zu sprechen. Er blockte alles ab und wollte zu dem Thema Australien überhaupt nichts wissen.  Nichtsdestotrotz war meine Entscheidung gefallen, ob er es für guthieß oder nicht. Immerhin war es mein Leben, und es war an der Zeit meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Das Schwierigste lag allerdings noch vor mir: Das Gespräch mit meinem damaligen Freund. Eines Abends als ich bei ihm zu Besuch war, fasste ich all meinen Mut zusammen und suchte das Gespräch. Ich erzählte ihm von meinen Plänen, Träumen und Ängsten. Die Beziehung aufzugeben, weil ich ein Jahr weg bin, wollte ich natürlich nicht. Das versuchte ich so gut ich konnte zu verdeutlichen. Wir redeten sehr lange und es flossen viele Tränen. Letztendlich einigten wir uns darauf, es zumindest zu versuchen. Ein paar Monate später war leider klar, dass die Beziehung keine Zukunft hat. Das Auslandsjahr stelle sich als zu große Belastung für die Beziehung raus, da war ich noch nicht einmal weg. Die zusätzliche Zeit nutzte ich, mich voll und ganz auf die Planung zu konzentrieren. Als erstes buchte ich über die Seite Backpackerspack einen Gruppenflug für den 24.01.2017. Die Vorteile dieses Anbieters waren, dass ich den langen Flug nicht alleine überstehen musste und zudem war es ein Open-Return Ticket. Das bedeutet im Falle eines Falles ist der Rückflug schon bezahlt und ich kann in den nächsten Flieger in Richtung Heimat steigen. Der Flug kostete mich rund 1250€. Mein erstes Ziel in Australien: Melbourne. Ich erkundigte mich nach gängigen Startpunkten. Zur Auswahl standen Melbourne, Sydney und Brisbane. Von den Bildern und Informationen die ich über die drei Städte sammelte, empfand ich Melbourne als bestes erstes Ziel. Bis heute ist Melbourne meine Lieblingsstadt. Das Visum beantragte ich über die Australische Goverment Seite. Ungefähr 100 Mal las ich über meine eingegebenen Daten. Ich wollte ganz sicher sein, dass ich keinen Fehler eintippte. Nachdem ich mit meiner Kreditkarte bezahlte, lag 30 Sekunden später schon die Bestätigungsmail im Postfach. Da es so schnell ging war ich mir Wochenlang noch unsicher, ob das wirklich schon mein Visum war. Natürlich musste ich auch irgendwo wohnen. Ich verglich bei Hostelworld geeignete Hostels und buchte mich für die erste Woche ins Greenhouse Backpackers ein. Eine Woche kostete mich ca. 200€. Das Hostel lag in der Mitte des Stadt-Zentrums, verfügte über eine Dachterrasse und kostenloses Frühstück. Für ca. 30€ kaufte ich über Backpackerspack ein Selbstorganisationspaket mit Handbüchern, Checklisten, Packlisten, Stromadapter und vielem mehr. Die nächste größere Mission: Welcher Rucksack passt am besten für ein Jahr Australien? Ich entschied mich für einen 55+15 l Rucksack von Deuter und bereue diese Entscheidung kein Stück. Es ist übrigens faszinierend mit wie wenig Hab und Gut man ein Jahr auskommt. Alle meine Klamotten und Notwendigkeiten sowie Wanderschuhe fanden in meinem Rucksack platz. Mein Tipp: Kaufe keine teuren Wanderschuhe. Ich hatte meine nicht ein einziges Mal an. Dafür ist das Geld zu schade. Im Internet verglich ich verschiedene Kameras und Action Cams und entschied mich für eine Rollei Actioncam 415. Für die Cam bezahlte ich ca. 130 €. Von den Bewertungen und Preis-Leistungs-Verhältnis eine sehr gute Entscheidung. Jetzt waren es nur noch zwei Monate! Ich konnte es kaum Abwarten!

Ich plante meine ungefähre Route im Voraus. Im Nachhinein war auch das völlig überflüssig, da ich mich nicht einmal ansatzweise an diesen Plan gehalten habe. Außerdem informierte ich mich über Klimazonen und Regenzeiten, schließlich wollte ich das Beste aus meiner Zeit dort rausholen. Die ersten drei bis vier Monate plante ich in Melbourne arbeiten, anschließend Stück für Stück die Ostküste bereisen. Alle Städte die ich gesehen haben wollte, schrieb ich in eine Liste. Unter anderem wollte ich mir Carins, Brisbane, Surfers Paradise, Sydney und Fraser Island anschauen. Von Norden nach Süden zu reisen empfand ich als sinnvoll. Wenn ich Melbourne wie geplant verlasse wäre dort Winter. Im Norden wäre es noch heiß, auch im Winter. Während der restlichen 2 Monate Planungszeit, schaute ich mir Bilder sowie Tipps und Tricks an und las sehr viel. Was ich auch sehr empfehlen kann ist der Reiseführer von Lonely Planet über Australien. Der Reiseführer bietet sämtliche Informationen über alle Städte, Klimaverhältnisse, Strände und Geheimtipps. Eine Woche vor Abflug war ich super aufgeregt. Gefühlt habe ich diese Woche auch keine Nacht mehr geschlafen. Nun war Tag X.

Am 24.01.2017 stand ich mit meinem Rucksack auf dem Rücken, Schmetterlingen im Bauch und Tränen in den Augen am Flughafen in Frankfurt. Was ein Gefühlschaos! Von Backpackerspack erhielt ich ein gelbes Band, um die anderen vier Mädchen, die mit mir reisten, zu erkennen. Zum Flughafen begleiteten mich meine Eltern sowie meine Großeltern. Als erstes checkte ich mein Gepäck ein. 13,8 Kilogramm waren für ein Jahr mein ganzer Lebensinhalt.  Kurz vor der Passkontrolle gab mir meine Mama ein kleines Päckchen. Sie erklärte mir, dass ich dieses erst im Flieger öffnen dürfe. Meine Eltern und Großeltern packten jeweils einen Brief, Schokolade, Gummibärchen, einen Schutzengel, ein Schlüsselanhänger mit Bildern und einer Kette mit Herzanhänger in die kleine Box. Der Abschied viel mir sehr schwer. Meine Familie ein Jahr nicht in der Nähe zu haben war schon erschreckend. Letzten Endes habe ich aber genau diese Distanz gebraucht. Es war, dass was ich wollte. Wir stehen uns alle sehr nahe was die ganze Sache nicht erleichterte. Zum Glück gibt es in der heutigen Zeit Skype und andere Tools. Ich verabschiedete mich und lief mit den anderen zur Passkontrolle. Anschließend absolvierte ich die Sicherheitskontrolle und wartete mit den anderen Mädchen am Gate. Wir waren alle super nervös und redeten durcheinander. Keine von uns konnte es abwarten. Es war schön dieses Gefühl zu teilen.  30 Minuten später betrat ich das Flugzeug in mein bisher größtes, unbekanntes Abenteuer.

Wohin bist du das letzte Mal in den Urlaub geflogen? Gerne kannst du mir, falls du selber so eine Reise planst oder auch schon bestritten hast, eine Nachricht schreiben oder den Beitrag kommentieren. Ich freue mich von deinem Abenteuer zu lesen!

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan?

Deine Julia

Quellangaben: Photo by Vincent Rivaud from Pexels

Folge und teile unter:

Schreibe einen Kommentar