Das erste Mal auf einer Fischfarm arbeiten!

Wusstest du, dass alle Barramundi Fische männlich geboren werden und manche von ihnen erst nach ein paar Jahren weiblich werden? Ich habe das auch erst gelernt als ich auf einer Fischfarm gearbeitet und Barramundi´s gefangen habe. Erstmal erzähle ich dir wie ich überhaupt dazu kam. Dass ich ein Jahr in Australien gearbeitet und gelebt habe, weißt du ja schon. Nachdem ich mich dazu entschloss, Melbourne (New South Wales) zu verlassen, flog ich nach Cairns (Queensland) um mir dort neue Dinge anzuschauen. Welche Abenteuer ich dort erlebt habe und welche tollen Sachen ich zum ersten Mal machen durfte, kannst du weiter auf meinem Blog verfolgen.

Nun zu dieser Geschichte: Als das Geld (leider) wieder knapp wurde, war es an der Zeit, mir neue Arbeit zu suchen. In einer Working Agency wollte ich es mir ein bisschen leichter machen und habe mich dort nach Jobs erkundigt. Ich spielte schon die ganze Zeit mit dem Gedanken, mir Farmarbeit zu suchen, da ich mir mein zweites Working-Holiday-Visa nicht entgehen lassen wollte. Um ein zweites Working-Holiday-Visum zu bekommen, benötigt man einen Nachweis über 88 Tage Farmarbeit. Glücklicherweise gab es in dem Hostel, das ich zu dieser Zeit bewohnte, eine solche Agentur. Ich war etwas unter Zeitdruck, da mir wirklich das Geld ausging. Ich hoffte dort schnell Arbeit zu bekommen. Die Mitarbeiterin, die mit mir die Möglichkeiten durchging, war freundlich – trotzdem fühlte ich mich nicht zu einhundert Prozent wohl bei der ganzen Geschichte. Die Dame bot mir an, auf einer Bananenfarm eine Stunde südlich von Cairns zu arbeiten. Ich hatte Glück mit meiner Körpergröße (1,82m), da zu dem Zeitpunkt große Mädchen auf vielen Farmen gesucht wurden. Ich musste etwas Geld für eine Art Mitgliedschaft bezahlen, dafür hatte ich aber auch direkt Arbeit. Zudem konnte ich mich die nächsten drei Monate im Falle eines Falles bei der Agentur melden. Dazu zählte Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Unseriösität der Farm.

Gesagt getan; zwei Tage später bin ich in den Bus nach Innisfail gestiegen. Dort angekommen, suchte ich zuerst nach dem Hostel. Leider war das problematischer als ich erwartete, denn ich hatte mich verlaufen. Zu allem Überfluss war mein Handyguthaben so gut wie leer, somit konnte ich nicht Google Maps verwenden. „Na Super! Das fängt ja gut an“, dachte ich. Die einzigen Informationen die ich von der Agentur bekam, waren der Name des Hostels, die Nummer des Hostel-Leiters John und das ich auf einer Bananenfarm arbeiten sollte. Ich versuchte John anzurufen, doch niemand ging ans Telefon. Meiner Nervosität half das nur minimal weiter. Nach weiteren zehn Minuten, die ich im Nirgendwo herumtappte, ging endlich jemand ans Telefon. Da ich absolut keine Ahnung hatte wo ich mich gerade befand, wurde ich abgeholt und zum Hostel gefahren. Angekommen, durfte ich direkt mein Bett beziehen. Mein Zimmer teilte ich mir mit drei anderen Mädchen. John konnte man irgendwie nur als typischen Australier abstempeln. Er trug einen typischen Hut als Sonnenschutz und sein Aussie Slang war so ausgeprägt. Ich hatte Probleme ihn gut zu verstehen, da australisches Englisch sich zu britischem Englisch deutlich unterscheidet.

Da ich vormittags ankam, waren fast alle Mitbewohner noch am Arbeiten. Also schaute ich mich in dem Haus erstmal um. Es war nicht sehr groß. Ich schätze ca. 30 Leute bewohnten das Haus. Neben den Zimmern teilte ich mir mit allen die Küche und zwei Bäder. Im Außenbereich gab es zwei große rote Tische, an dem sich abends immer alle trafen um vom Tag zu berichten. Außerdem verfügte das Hostel über einen Pool, an den man an den freien Tagen wunderbar relaxen konnte. Als ich meine Sachen soweit ausgepackt hatte, stand für den restlichen Tag auf meiner To-Do Liste noch einkaufen gehen. Etwas zu Essen, Gummistiefel, Wasserflasche, Sonnencreme und passende Klamotten für den neuen Job mussten her. Die Kleinstadt etwas näher kennenzulernen empfand ich zudem als keine schlechte Idee, schließlich wollte ich mich nicht noch einmal verlaufen.

 Zurück von meinen Erledigungen, gesellte ich mich zu den anderen dazu, stellte mich vor und hörte mir die Tagesberichte der anderen an. Alle die in dem Hostel wohnten arbeiteten auf verschiedenen Bananenfarmen in der Umgebung. Sie erklärten mir, worin ihre Aufgaben bestanden und wie ihre Farmer so unterwegs waren. Es klang definitiv nicht nach Zuckerschlecken. Das machte mich schon sehr nervös. Am nächsten Morgen durfte ich mir dann auch schon direkt ein Bild von der Arbeit machen. Für die nächsten 13 Wochen war das nun mein Zuhause.

 Pick-up Time war 6:00 Uhr in der Frühe. Mit einigen der Anderen wartete ich vor der Tür um abgeholt zu werden. Ich war so aufgeregt, dass ich von der schlaflosen Nacht eigentlich gar nichts spürte. Ich war so gespannt was mich erwartete, doch war ich bereit für die Arbeit mit Bananen. 13 Wochen ab heute. Und dann kam alles anders. Wir haben in dem anderen Hostel, welches auch John gehörte, angehalten um noch mehr „Worker“ einzusammeln. Der Fahrer des Busses fuhr von Farm zu Farm und immer mehr verließen den Bus. Die Farmen sahen von außen wirklich groß aus.  Überall sah ich große Felder mir Bananenbäumen. Nach ca 20 min Fahrt waren nur noch Fabian und ich im Bus übrig. Nach einer kurzen Weile war ich etwas irritiert. Die Bananenbäume wurden immer weniger, es wurde immer ländlicher bis weit und breit keine Bananenbäume mehr zu sehen waren. Ich fasste  den Mut zu fragen, wo wir eigentlich hinfuhren. Fabian antworte mir:“ Du weißt schon das wir zusammen auf der Fischfarm arbeiten, oder?“

SCHOCK! Ich hatte mich so auf Bananen eingestellt das ich regelrecht in leichte Panik ausbrach. Im Nachhinein tut mir Fabian ein bisschen leid, da ich ihn in dem Moment nur noch mit Fragen bombardiert hatte. „Was machen wir auf der Fischfarm?“; „Gibt es dort Krokodile?“; „Ist die Besitzerin nett?“ und „Stinkt es da eigentlich sehr nach Fisch?“ waren nur wenige meiner Fragen. Mittlerweile muss ich drüber lachen, dass ich so in Panik geriet. Zu meiner Verteidigung muss gesagt werden, ich hasse überraschende Wendungen. Angekommen legten wir unsere Sachen im Aufenthaltsraum ab. Eine kleine blonde Frau, die Höflichkeit definitiv nicht erfunden hatte, kam auf uns zu. Ihr Name war Debby und sie ist die Besitzerin der Farm. Gemeinsam mit Debby füllte ich Formulare für die wöchentliche Bezahlung und die davon abgehenden Steuern aus. Jetzt war es an der Zeit zu arbeiten. Donnerstags ist „Fishing Day“ erklärte sie mir. Mir kam zuerst der Gedanke, dass wir alle zusammen mit Angelrouten an einem Teich sitzen und Fische fangen. Das war leider nur eine Wunschvorstellung. Meine erste Aufgabe bestand darin, große Tanks mit Eis zu befüllen um die gefangenen Fische dort zu lagern. Mit viel Anstrengung und Schweiß befüllten Fabian und ich sieben von den großen Tanks. Nach dieser ersten Anstrengung freute ich mich schon fast auf die Fische, was aber auch nicht lange anhielt. Hilfsarbeiter holten die Tanks ab und stellten sie an dem Becken ab. Dort würden die gefangenen Fische direkt reingelegt werden um Sie frisch zu halten. Fabian wies mich darauf hin, dass wir Neoprenanzüge anziehen müssen. „Sind Neoprenanzüge nicht normaler weise zum Schwimmen? Wieso soll ich so einen dann tragen?“ war mein Gedankengang aber ich beschloss, mir das ganze erstmal anzuschauen bevor ich weiter unnötige Fragen stellte. Umgezogen suchte ich Debby und Fabian. Er stand in einem Neoprenanzug und einem Footballhelm in der Hand da und fragte ob ich fertig bin um zu dem Teich zu gehen. Weshalb Fabian einen Helm in der Hand hielt konnte ich mir nicht erklären aber ich wollte es auch gar nicht so genau wissen. Rausfinden würde ich es früher oder später ja sowieso. Die ganze Situation war absurd genug. „Zuhause kauft mir das kein Mensch ab!“, dachte ich.

 Quick-Fact: So ein Teich dieser Fischzucht ist ca. 75m lang und 25 m breit.

An den langen Seiten des Fischteiches stellten sich links und rechts Traktoren auf. An dem linken Traktor war ein großes Netz befestigt, dass über das Wasserbecken auf die andere Seite, zu dem zweiten Traktor, ausgefahren wurde. Sobald das Netz an dem anderen Traktor befestigt war, sollten Fabian und ich jeweils auf einer Seite in den Teich steigen und als zusätzliches Gewicht für das Netz dienen. Jetzt wurde mir langsam klar wofür ich den Neoprenanzug trug und der Gedanke gefiel mir gar nicht. Wir dienten quasi als zusätzliches Gewicht, um so viele Fische wie möglich in das Netz zu bekommen. Zum Glück war es warm draußen, da mir zum Schwimmen in diesem schmutzigen Wasser voller Fische nicht unbedingt zu Mute war. Auf einem Netz zu stehen, dass sich nach vorne bewegt und gleichzeitig von Fischen angesprungen zu werden, ist nicht so spaßig wie es sich anhört. Im letzten Viertel von dem Teich durfte ich endlich aus dem Wasser aussteigen und half Stück für Stück das Netz hochzuhalten bzw. einzuholen.

Fabian blieb in der Mitte vom Netz stehen und hielt es in die Höhe. Der Footballhelm auf dem Kopf diente zur Sicherheit, sollte ein Fisch gegen seinen Kopf springen. Ein dritter Traktor ließ ein kleineres Netz ins Wasser ab um die Fische zu fangen und ließ sie direkt in die Tanks von morgens ab. Netz für Netz arbeiteten wir uns vor. Meine Hauptaufgabe bestand darin das Netz am Rand hochzuhalten, so lange wie Fische gefangen wurden. Sobald das Netz voll war fuhren wir ein Stück nach vorne und ich holte das Netz wieder ein damit es aufgerollt werden konnte. Außer dass das Netz super schwer war, empfand ich die Aufgabe als relativ angenehm. Den Vorgang wiederholten wir, bis alle sieben Tanks voll waren. Ich war so glücklich endlich wieder den Neoprenanzug loszuwerden. Nach der Mittagspause befreiten wir die Grünflächen der Farm von Unkraut, alten Rohren und Abfällen. Anschließend wurden wir von dem Van wieder abgeholt und somit war der erste Tag für mich beendet. Auf dem Rückweg war ich ziemlich erschöpft und gespannt auf den nächsten Tag. Jedoch war ich mir nicht sicher, ob ich diese Arbeit 13 Wochen lang durchziehen könnte.

Tag 2: Heute stand Fische verpacken an. Die Fische die wir am Vortag gefangen hatten mussten natürlich auch verpackt werden, damit sie in die Supermärkte geliefert werden konnten. Die Boxen waren am Vortag schon vorbereitet worden. In diesem Fall hieß dass, mit Folie ausgelegt und mit Eis befüllt. Meine Aufgabe heute bestand darin die Boxen zu wiegen, die Etiketten für die verschiedenen Märkte zu drucken und auf die fertig gepackten Boxen zu kleben. In der Halle wo wir arbeiteten stank es widerlich nach Fisch. Zu meiner Überraschung gewöhnte ich mich schnell an den Geruch. Die Tanks wurden nach und nach in eine riesige Wanne geleert. Das war Fabians Aufgabe.  Zwei Helfer packten immer die ungefähre Menge an Fisch in die Boxen. Wie viel Fisch insgesamt in eine Box gepackt wurde war von Händler zu Händler unterschiedlich. Wenn die Box zu schwer oder zu leicht war packte ich mehr Fisch in die Box oder nahm entsprechend viel Fisch wieder raus.

Die Fische waren super klietschig und flossen Messerscharf. Ich musste wirklich aufpassen, mich nicht zu verletzen. In einem Computer waren die Etiketten schon vorbereitet worden. Diese druckte ich nur noch aus und klebte sie auf die Box. In einer Strichliste vermerkte ich wie viele Boxen ich für einen Markt verpackt hatte. So konnte ich kontrollierten, dass alle Märkte auch die richtige Anzahl an Boxen bekamen. Ein weiterer Helfer fuhr die fertigen Paletten nach draußen. Nachdem wir alle Fische verpackt hatten, ging es ans Aufräumen und Putzen. Mit Schrubbern und Wasserschläuchen ausgestattet, haben wir die komplette Halle geputzt. Mit komplett meine ich wirklich komplett. Wände innen und außen, Böden und das Gelände mussten komplett steril gereinigt werden. Wir haben fast 3 Stunden damit verbracht, nur die Halle zu schrubben. An dem Tag war ich super froh als ich wieder ins Hostel zurückgefahren wurde.

Abends erhielt ich einen Anruf von John. Er bot mir an auf eine Bananenfarm zu wechseln. Ohne lange nachzudenken sagte ich sofort zu. Eines stand fest: Ich wollte nie wieder, schon keine 13 Wochen Fische fangen oder verpacken. Ich lernte wirklich viel in den zwei Tagen vor allem das ich keine Fische mag, die Flossen einen unheimlich schnell ins Fleisch schneiden können und das alle Barramundi Fische männlich geboren werden. Bananen waren hoffentlich die richtige Entscheidung und bessere Alternative. Zumindest wusste ich mit Gewissheit, dass Bananen nicht geangelt werden mussten.

In der nächsten Woche startete ich mit meinem neuen Abenteuer: Bananen Farm!
Was ich dort alles zum ersten Mal erlebt habe, kannst du in meinem nächsten Blogeintrag verfolgen.

Wann hast du das letzte Mal was zum ersten Mal gemacht?

Berichte mir gerne davon in den Kommentaren oder in einer Nachricht.

Deine Julia

Photo by Johannes Plenio from Pexels

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